Bei Freunden zu Gast

Die Zahlen 28 und 20 waren am Schluss eigentlich Nebensache. Zwar hatten die Handballer der deutschen Nationalmannschaft um Trainer Heiner Brand mit diesem Ergebnis die Gegner aus Weißrussland klar im Griff gehabt. Doch viel schwerer wog an diesem Abend eine andere Zahl: 3200. Bis unter das Dach war die Sporthalle am Berg Fidel gefüllt, sämtliche Karten waren nach drei Tagen verkauft gewesen.

Wo sonst die USC-Mädels pritschen und baggern, auf dem Rasen nebenan die Preußen kicken, im Mekka des Pferdesports. Wo der Handball verbunden ist mit Vereinsnamen wie SC Westfalia oder DJK Sparta, bei denen man bundesweit – so sie einem geläufig sind – schon als echter Experte durchgeht. Die wollten alle vielleicht nur mal gucken, könnte man meinen. Von wegen "Event-Fan". Irrtum. Die trugen die Trikots der Spieler und kannten die Namen. Wenn einer mal eine Regelfrage in den Raum warf, bekam er von mindestens vier Umsitzenden sofort detailliert Auskunft. Alle klatschten oder seufzten in den richtigen Momenten und wenn die Schiedsrichter mal daneben lagen, oder der Gegner unfair wurde, dann pfiffen sie laut. Auch gab es extrakräftigen Szenenapplaus immer genau dann, wenn Torhüter Johannes Bitter mal wieder einen gänzlich unhaltbaren pariert, Abwehrchef Oliver Roggisch einen Angreifer mit besonderer "Herzlichkeit" an dessen Vorhaben gehindert, Lars Kaufmann einen Ball mit der nur ihm eigenen Urgewalt im Netz untergebracht oder einer der Außenspieler aus einem Winkel getroffen hatte, der die Grenzen der Physik dehnt. Nein, hier konnte nur ein einziger Eindruck entstehen: Diese 3200 kennen sich ganz offensichtlich mit Handball aus. Heiner Brand sagte hinterher, er "hatte den Eindruck, dass es den Leuten gefallen hat." Wenn man den Emotionsgehalt der Aussagen des Bundestrainers einzuordnen weiß, bedeutet das so viel wie "großartige Stimmung". Linksaußen Dominik Klein nannte Sie "riesig!", Roggisch "klasse!". Wie alle anderen erfüllten die beiden Weltmeister von 2007 noch lange nach Abpfiff jeden Autogrammwunsch der vielen Fans, die das Feld gestürmt hatten. Denn anders als die Ordner, die das Anfangs noch zu verhindern suchten, wussten die Fans auch, dass sie das beim Handball dürfen. DHB-Vize Horst Bredemeier beschloss spontan: "Wir kommen wieder!" "Liebend Gerne!", möchte man Antworten, denn Handball und Münster – das funktioniert ganz offensichtlich.